Der Rücken – die stützende Säule unseres Körpers

Rückenschmerzen sind zum großen Teil ein Phänomen unserer westlichen Gesellschaft. Wenn das Volk der Tuareg in der Wüste zu Abend isst oder die Inuit am Polarkreis ihre Felle zu Kleidung zusammennähen, dann sitzen sie nicht auf Stühlen, sondern auf dem Boden. Hand aufs Herz, wie lange halten wir es im Schneidersitz aus? Zehn Minuten, eine halbe Stunde? Wir sitzen unsere Bandscheiben und den Rücken in etlichen Stunden pro Tag buchstäblich zugrunde; Handwerker noch weniger als „Bürohengste“, aber auch die nehmen die Mahlzeiten auf Stühlen ein oder kauern wie wir alle in Sesseln vor dem Fernseher – Gift für unseren Rücken! Die Folge: Abnutzung der Bandscheiben und Arthrose der Wirbel.
Unser Rücken ist ein komplexes Konstrukt der Natur. Er beginnt mit dem unteren Rand des Nackens und erstreckt sich bis zur Spitze des Steißbeins. Das Herzstück des Rückens ist die Wirbelsäule, die mit ihren vielen Wirbelgelenken und Bandscheiben wahre Bewegungskünste vollbringt. Für Stabilität und Belastbarkeit sorgen zudem die Wirbelkörper. Bewegt wird die Wirbelsäule durch die Rückenmuskulatur, deren unterschiedliche Muskelgruppen für das Aufrichten, Aufrechthalten, Strecken, Seitwärtsbeugen und Drehen verantwortlich sind. Wichtig ist das perfekte Zusammenspiel dieser Muskelgruppen. Weitere Muskeln im Rücken sorgen aber nicht nur für die Beweglichkeit der Wirbelsäule, sondern auch für die Bewegungen von Oberarm, Schultern und Kopf. Einseitige Körperhaltung, insbesondere durch langes Sitzen, oder auch ungünstige Schlafpositionen führen zu Deformationen von Wirbelsäule und Rücken.
Allein Stühle oder zu weiche Betten für Rückenschmerzen verantwortlich zu machen, wäre jedoch zu einfach: Rückenbeschwerden können ganz verschiedene Ursachen haben. Auch psychische Belastungen können beispielsweise Rückenschmerzen verursachen. Etwa 80 Prozent der Rückenschmerzen lassen sich nicht auf eine körperliche Erkrankung oder einen Wirbelsäulendefekt zurückführen; sie werden auch als unspezifisch bezeichnet. Hier ist der Arzt wirklich als Detektiv gefragt, um der wahren Ursache auf den Grund zu gehen. Oft hilft bei unspezifischen Rückenschmerzen jedoch ein einfaches Therapieprogramm aus kurzfristiger Schonung, leichter Bewegung sowie Entspannungstechniken. Bei stärkeren Schmerzen werden unter Umständen anfänglich auch schmerz- und entzündungshemmende Mittel verschrieben.
Bandscheibendegeneration und Bandscheibenvorfall, entzündliche Muskel- und Bindegewebserkrankungen, Blockaden im Halswirbel, Arthrose der Wirbelgelenke, Verengung der Nervenausgänge oder des Rückenmarkkanals, Wirbelgleiten oder Hüftarthrose: All das kann zu Rückenschmerzen führen. Aber Achtung – nicht immer bedeuten schlimme Schmerzen auch schlimme Ursachen; umgekehrt können aber auch schon leichte Unannehmlichkeiten Folge einer ernsten Erkrankung sein. Deshalb: Wenn die Rückenschmerzen nicht verschwinden, sollte man sich an den Orthopäden seines Vertrauens wenden. Und für die Glücklichen, deren Rücken noch gesund ist: Spielen Sie mit Ihren Kindern auf dem Boden, vermeiden Sie Stühle, so oft es geht, treiben Sie Sport für einen starken Rücken, kräftigen Sie Ihre Bauchmuskulatur, bleiben sie beweglich und machen Sie es damit der Arthrose von Wirbeln und Bandscheiben so schwer wie möglich – ein wenig mehr Naturvolk in uns und ein bisschen weniger deutsche Wohnzimmergemütlichkeit hält den Rücken länger intakt.

 

Körperhaltung – Richtig und Falsch